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Neues Leben in der Jagst

Eine Projektarbeit der Kirchberger August-Ludwig-Schlözer-Schule sorgt dafür, dass 200 Kilogramm Fische in den Fluss gesetzt werden.

Nachdem der Fischbestand in der Jagst beim Unglück im August 2015 durch Eintrag von düngemittelhaltigem Löschwasser komplett vernichtet worden war, wollte auch die Klasse R8c ihren Beitrag dazu leisten, dass bald wieder Fische in der Jagst schwimmen. „Unser Ziel war, so viele Spenden wie möglich zu sammeln, um davon möglichst viele Fische zu kaufen“, berichtet die 15-jährige Anna Feil.

Dafür bot sich das Unterrichtsfach WVR an, bei dem die Schüler zu den Bereichen „Wirtschaft, Verwaltung und Recht“ für einen längeren Zeitraum ein themenorientiertes Projekt zu bearbeiten hatten, bei dem auch etwas erwirtschaftet werden sollte. Unter Anleitung von  Lehrerin Jasmin Withopf wurden Gruppen gebildet, die sich mit Marketing, Werbung und Organisation einer Spendensammelaktion beschäftigten. Im Technikunterricht fertigten die Schüler Schlüsselanhänger in Fischform, die sie beim Kirchberger Weihnachtsmarkt vorstellten und die sehr gut ankamen. Wer mindestens zehn Euro gab, erhielt ein Holzfischchen.

3739 Euro erwirtschaftet

Zudem entwarfen die Schüler Flyer, organisierten Spendenboxen in Betrieben und betreuten einen Infostand auf  dem Crailsheimer Wochenmarkt. Exakt 3739 Euro haben die Realschüler auf diese Weise erwirtschaftet, berichtet Stefan Sorg, der Kassenwart des Kirchberger Fischereivereins. Rund 200 Kilogramm Fische bestellte der Verein dafür. Dass die Schüler erst jetzt als Neuntklässler den Erfolg ihrer Bemühungen erleben, liege daran, dass  die Wiederbesatzmaßnahmen Teil eines umfangreichen Forschungsprojektes   und Renaturierungsprogramms seien, berichtet Bruno Fischer vom Fischereiverein. Als Vorsitzender der Kirchberger Nabu-Gruppe koordiniert er zugleich alle Renaturierungs­maß­nahmen im Raum Kirchberg mit dem Regierungspräsidium Stuttgart. Erst vor zwei Wochen hat die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg in Langenargen die Genehmigung für das Einsetzen von Fischen erteilt.

Mit dem Geld, das die Schüler sammelten, wurde nun am Freitag beim Hornwasen oberhalb der Jagstbrücke  ein Grundbesatz an Friedfischen vorgenommen. Jeweils 50 Kilogramm laichreife Schleien und Karpfen sowie etwa die gleiche Menge an jungen Weißfischen wie Rotaugen und Rotfedern schwammen in den Bassins auf dem Anhänger von Teichwirt Karl-Gerhard Böhner aus Ansbach, der die neuen Jagstbewohner lieferte. Mit dem Kescher verteilte der Fischzüchter die Tiere auf Eimer und Bottiche, die die Jugendlichen mit tatkräftiger Unterstützung durch die Fischereivereinsmitglieder Heinz Unger und Gerhard Krauss in den Fluss und seinen Seitenarm, die ehemalige Eislache, entleerten.

Mit Begeisterung bei der Sache

Nach anfänglichen Berührungsängsten und Schreckreaktionen, als manches putzmuntere Fischlein auf dem Boden zappelte, griffen auch die Mädels beherzt mit an, und bald waren alle mit großer Begeisterung bei der Sache. Begleitet wurden die Schüler von ihrer neuen Klassenlehrerin Beate Scharr, die sich freute, dass das Projekt ihrer Vorgängerin nun zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht wurde. „Es ist schön, wenn man sieht, wofür man gearbeitet hat und was dann dabei herauskommt“ – damit sprach Anna Feil allen Beteiligten aus dem Herzen.